Wer sich täglich verstellt, zahlt einen hohen Preis

„Ich funktioniere – aber es kostet mich jeden Tag unglaublich viel Energie.“ 

Diesen Satz höre ich derzeit fast täglich. Nicht von Menschen, die ihre Arbeit nicht wollen. Sondern von engagierten Fach- und Führungskräften, die ihren Job ernst nehmen, und die genau deshalb zunehmend erschöpft sind.

Was hier beschrieben wird, ist selten ein Leistungsproblem. Und ebenso selten fehlende Motivation.
Meist geht es um etwas Tieferes: den inneren Bruch zwischen dem, was jemand tut und dem, wofür er oder sie eigentlich steht.

Wenn Arbeit nicht mehr stimmig ist

In Organisationen verändern sich Prioritäten. Strategien werden neu ausgerichtet, Führungsstile wechseln, Werte verschieben sich leise, aber spürbar.
Plötzlich soll man Entscheidungen vertreten, die sich innerlich falsch anfühlen. Oder Erwartungen erfüllen, die dem eigenen Werteverständnis widersprechen.

Im HR-Alltag zeigt sich das zum Beispiel so:
Eine HR-Leitung soll Maßnahmen „verkaufen“, hinter denen sie fachlich oder menschlich nicht steht.
Eine Führungskraft soll Härte zeigen, obwohl sie für Klarheit und Beziehung steht.
Ein:e Expert:in merkt, dass fachliche Qualität zweitrangig wird. Hauptsache schnell.

Nach außen funktioniert das oft erstaunlich gut. Aber innerlich wächst der Widerstand.

Anpassung hat Grenzen

Aus der Persönlichkeits- und Motivationsarbeit – etwa mit dem LINC Personality Profiler – wissen wir: Menschen können sich anpassen. Auch über längere Zeit.
Aber niemand kann dauerhaft gegen die eigenen Motive und den eigenen Charakter arbeiten, ohne einen Preis zu zahlen.

Dieser Preis ist nicht sofort sichtbar.
Er zeigt sich schleichend:

  • Müdigkeit, obwohl die Arbeitszeit nicht gestiegen ist
  • Selbstzweifel, obwohl das fachliche Können unbestritten ist
  • das diffuse Gefühl: „So wie es gerade läuft, passt es für mich nicht mehr“

Nicht die Arbeit macht krank.
Sondern das dauerhafte Verstellen.

Warum gerade Engagierte besonders betroffen sind

Ironischerweise trifft es oft die Leistungsstarken. Menschen mit hoher Verantwortung, Reflexionsfähigkeit und innerem Anspruch.
Sie versuchen, die Lücke zwischen eigenen Werten und äußeren Anforderungen selbst zu schließen. Mit noch mehr Einsatz. Noch mehr Anpassung. Noch mehr Kontrolle.

Kurzfristig funktioniert das. Langfristig kostet es Energie, Sinn und häufig auch Gesundheit.

Was wirklich hilft

Der Ausweg liegt selten in noch besserer Selbstoptimierung.
Sondern darin, ehrlich hinzuschauen:

  • Was treibt mich wirklich an?
  • Welche Motive werden aktuell ignoriert oder verletzt?
  • Was gibt mir Energie – und was entzieht sie mir Tag für Tag?

Im Coaching arbeiten wir genau an diesen Punkten.
Nicht, um Menschen „passender“ zu machen. Sondern um wieder Stimmigkeit herzustellen zwischen Person, Rolle und Umfeld.

Denn wer sich selbst nicht permanent verbiegen muss, arbeitet klarer, gesünder und wirksamer.

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